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Afrika, Amerika, Europa
Performance
Black Atlantic
Olhos d'água
Tableaux vivants mit Ismael Ivo
Eintritt: 15 , ermäßigt 10
23.09.2004 - 24.09.2004
20:30
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Black Atlantic
Am 23.9. Aftershow-Talk mit Ismael Ivo

Ismael Ivos Auftragsarbeit zum Black Atlantic Olhos d'água basiert auf einer Recherche zu der kulturellen Überlieferung afrikanischer Traditionen im Zuge des transatlantischen Sklavenhandels. Ausgangspunkt ist seine Lebenserfahrung: Als Kind wurde er konfrontiert mit der beherrschenden Erscheinung einer Großmutter, die, selbst noch als Sklavin geboren, das Zentrum der eigenen Geschichte bildete. Sie überlieferte die Erzählungen, die auch für Ismael Ivo zur Keimzelle einer eigenen Identität wurden. Diese Erfahrung der Oral history wird in der neuen Produktion zum Kern aller künstlerischer Prozesse.

Im Zentrum stehen drei herausragende Frauen. Mãe Beata, die spirituelle Meisterin, die einen Candomblé-Tempel in Bahia führt. Die Jazz-Sängerin und Tänzerin Othella Dallas, die Künstlerin, die von der berühmten Tänzerin Katherine Dunham gefördert wurde und im Laufe ihrer langen Karriere unter anderen mit Josephine Baker und Sammy Davis Jr. auftrat. Und schließlich die politische Führerin, die Schauspielerin und Regisseurin Tereza Santos, die ebenso engagiert für den Befreiungskampf von der Militärdiktatur in Brasilien eintrat wie für den in Angola. Diese drei Meisterinnen werden über einen Monat in Berlin die Grundlage für eine Theaterarbeit entstehen lassen.
Mit Ismael Ivo begeben sich acht Sänger und Tänzer auf die Suche nach jenen verborgenen Erinnerungen und Erfahrungen, die die Körper prägten, von Furcht, Dunkelheit oder Blindheit bis zur Kommunikation mittels Zeichen und Rhythmen, von Transformationen/Fusionen der religiösen Erzählungen bis zur spirituellen und kulturellen Identität als Ausgangspunkt der Revolte.
In choreographischen Theaterarbeiten wie Othello, den Zofen oder Mapplethorpe hat der Tänzer und Choreograph Ismael Ivo das Bild des schwarzen Körpers in der westlichen Kultur reflektiert. Themen des Postkolonialismus und Rassismus werden radikal auf den Körper projeziert und in szenischen Situationen aufgearbeitet. Dabei schöpft Ismael Ivo in seiner tänzerischen Arbeit ebenso aus den Traditionen des Candomblé wie des deutschen Ausdruckstanzes oder Tanztheaters. Der Respekt vor kultureller Erinnerung und die Suche nach Transformation und Begegnung kennzeichnen seine international rezipierte Theaterarbeit.
Die neue Theaterarbeit untersucht Formen des Körpergedächtnisses, den Prozeß des Erinnerns als Widerstand und Behauptung. Das Publikum wird die Möglichkeit haben, diese einzigartige Begegnung in einer inszenierten Theaterinstallation mitzuverfolgen.

Idee und Choreographie: Ismael Ivo
Regie: Maria Thais Lima Santos
Komposition: Steve Shehan
Storyteller-Performer: Mae Beata/Rio de Janeiro, Tereza Santos/São Paulo, Othella Dallas/Memphis
Tanz: Ismael Ivo, Cristina Perera, Catherine Womba Tolopu, Apolo Franca, Rafael Luiz Nunes, Edsel Scott, José Antonio Roque Toimil

Link www.blackatlantic.com