Kulturaustausch via Internet - Chancen und Strategien
Netz-Forum, Haus der Kulturen der Welt, Berlin

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  Statement:   Sue Williamson
 
   ArtThrob ist ein monatliches Online-Magazin über zeitgenössische Kunst in Südafrika, das im August 1997 zum ersten Mal online erschien. Die Website enthält Auflistungen von ausgewählten lokalen Ausstellungen und Kunstereignissen, wie auch von solchen aus Übersee, Neuigkeiten, jeden Monat ein Künstlerporträt und ein Kunstprojekt, Links zu anderen Sites, eine Seite für den Austausch, auf der interessante Neuigkeiten mitgeteilt werden können, eine Sektion für Feedback und ein Messageboard. Ein wichtiges Charakteristikum der Site besteht darin, daß es ein Archiv aller monatlichen Ausgaben gibt - und die Statistiken zeigen, daß dieses immer wieder intensiv genutzt wird.
   Südafrika ist ein Land, in dem die Mittel für Kunst äußerst begrenzt sind. Es gibt nicht eine einzige gedruckte Zeitschrift, die sich der bildenden Kunst oder der Kultur überhaupt verschrieben hätte. Veröffentlichungen über Kunst sind daher auf wenige Abschnitte oder einen gelegentlichen Artikel in allgemeinen Zeitschriften sowie auf einen oder zwei Berichte pro Woche in den Tageszeitungen beschränkt. Im Fernsehen befaßt sich ein Magazinprogramm am späten Sonntagabend mit Kultur. Aus diesem Grund erweist sich ArtThrob für diejenigen, die Zugang zum Internet haben, als eine unschätzbare visuelle und sachdienliche Quelle für Informationen, die anderswo nicht zu erhalten sind, und als ein Ort, an dem die Künstler des Landes mit anderen in Kontakt treten können, die hier und in der ganzen Welt an der Kunst Südafrikas interessiert sind. Für mich als bildende Künstlerin ist dies die wichtigste Funktion. Das enthusiastische Echo, das die Kolumnen zu Künstlern finden, ist ganz besonders befriedigend.
   Gleichzeitig bin ich mir bewußt, daß die Site noch in den Kinderschuhen steckt, und daß das erstaunliche Potential des Internet für die direkte globalen Kommunikation noch kaum genutzt wird. Doch obwohl die Euphorie über die Perspektiven der neuen Technologie, die es Künstlern gestattet, noch direkter an Projekten anderer Künstler aus der ganzen Welt teilzunehmen bzw. selbst solche zu initiieren, legitim ist, sind einige kühle Worte angebracht.
   Von vielen Künstlern in Südafrika, die nicht einmal das Geld haben, sich die grundlegenden Materialien für ihre Arbeit zu beschaffen, wird das Internet noch immer als heillos elitär angesehen. Sicher gibt es Internetcafés in den Städten, aber es kostet Geld, dort hinein zu kommen, und Anfänger im Internet finden ihre erste Erfahrung meist eher frustrierend als zufriedenstellend. Wie bei allen von uns, die schon vernetzt sind, braucht es erst einmal viele Stunden der Praxis, bevor man das erforderliche Geschick erlangt hat.
   Um dies in Relation zu setzen: die Bevölkerung Südafrikas zählt etwa 35 Millionen Menschen, von denen wahrscheinlich etwas mehr als eine Million ans Netz angeschlossen sind. Es wird geschätzt, daß etwa 5 bis 10 Prozent dieser Nutzer schwarz sind, und daß diese ihren Netzzugang hauptsächlich über die Arbeitsstelle oder die Universität haben. Daran wird klar ersichtlich, daß eine tiefe Kluft zu überbrücken ist, bevor das Netz als ein populäres Kommunikationsmittel gelten kann.
   Wenn die Länder der ersten Welt ernsthaft meinen, daß das Internet dazu dienen sollte, die Dichtomie zwischen kuratierenden und kuratierten Kulturen zu überwinden und die geographischen Grenzen aufzulösen, dann ist dies die erste und grundsätzliche Frage, der sie sich stellen müssen.

(Übersetzung: Beate Endriss, redaktionell bearbeitet von Gerhard Haupt)


Sue Williamson: bildende Künstlerin, lebt in Kapstadt. Herausgeberin von Artthrob.
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Forum des Hauses der Kulturen der Welt, Berlin, zur Nutzung des Internet im Kulturaustausch mit und zwischen Afrika, Asien/Pazifik, Lateinamerika. 1998/1999