Kulturaustausch via Internet - Chancen und Strategien
Netz-Forum, Haus der Kulturen der Welt, Berlin

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  Statement:   Olu Oguibe
Die Aussichten von Kultur in einer digitalisierten Welt
 
   Ich fühle mich sehr geehrt, Teilnehmer des Forums des Hauses der Kulturen der Welt zum »Kulturaustausch via Internet« zu sein. Es ist nun schon mehr als zwei Jahre her, daß ich meinen ersten Beitrag zum globalen Diskurs über Cyberkultur und das Internet geleistet habe, und zwei Jahre sind, wie wir in Bezug auf die Politk sagen, eine lange Zeit im Cyberspace. Zu jener Zeit gab es nur wenige Afrikaner, die sich an den kritischen Debatten über die Perspektiven des Internet und deren weitreichende Implikationen beteiligten, obwohl das Medium auf dem besten Wege war, sich in Afrika zu konsolidieren. Auch Ende 1998 wird die Beobachtung noch richtig sein, daß die Frage der Folgen kaum angeschnitten wird, besonders die bezüglich Afrika und seiner Zukunft. In dieser Hinsicht ist dieses Forum besonders bedeutsam.
   Wie ich schon in der Vergangenheit geltend gemacht habe, bestehen kaum Zweifel daran, daß das Internet, ungeachtet aller Befürchtungen und Vorbehalte, die Technologie unserer Zeit und der nächsten Zukunft bestimmt. Heute hat die Mehrheit der Menscheit noch keinen Zugang dazu, aber das wird sich ändern. Das enorme Tempo, in dem sich seine Demographie in den letzten paar Jahren verändert hat, ist dafür ein deutliches Anzeichen. Sicher sind sich die meisten weder seiner Gegenwart noch seiner Aussichten bewußt, und doch ist das Medium in der Lage, ihr Leben in mehr als einer Hinsicht zu beeinflussen. Durch das Internet werden jeden Tag auf dem Gebiet der Politik, des Handels und der Kultur Aktivitäten und Austausch koordiniert und Entscheidungen getroffen, die das Leben von Millionen, die keinen Zugang dazu oder kein direktes Interesse an der Informationstechnologie haben, unmittelbar betreffen. Diese Realität macht es daher zum unbedingten Erfordernis, daß wir ernsthaft diskutieren, wie solche Aktivitäten und der Austausch vonstatten gehen, und auf welche Weise die Menschheit am meisten davon profitieren könnte.
   Oftmals polarisieren sich Diskussionen dieser Art zwischen denen, die überzogene Ansprüche auf das Internet anmelden und jenen, deren Zynismus es nicht erlaubt, seine zunehmende Relevanz in unserer Welt anzuerkennen oder einzuräumen. Es ist vielleicht zu optimistisch, zu erwarten, daß neue Informationstechnologien unsere Ideen oder Wahrnehmungen anderer Gesellschaften und Kulturen schnell und radikal ändern, oder eingefahrene Haltungen und Neigungen auslöschen könnten. Wenn überhaupt, so haben wir gelernt, daß solche Neigungen sehr häufig vom sogenannten »realen« Leben in die virtuelle Praxis überführt worden sind. Es ist ebenso naiv, sich vorzustellen, daß Grenzen - seien es geographische oder kulturelle - durch das Internet aufgelöst werden könnten, da doch der Augenschein anderes aufzeigt. Es läßt sich jedoch nicht bestreiten, daß unsere Möglichkeiten, Zugriff auf Informationen und Wissen über andere zu haben, durch das Internet immens gesteigert wurden, und daß dieses Wissen die Grundlage für ein besseres kulturellen Verstehen und eine größere Zusammenarbeit bildet.
   Die in diesem Forum gestellten Fragen können die wahre Natur des Internet und seinen Einfluß auf kulturelle Beziehungen reflektieren oder nicht; sie bilden immerhin einen Ausgangspunkt für den Dialog und sollten uns schließlich zu den richtigen Fragen führen. Es ist meine große Hoffnung, daß dieses Forum eine breite und enthusiastische Teilnahme findet und daß es als der Beginn eines sehr nützlichen und heilsamen Prozesses gesehen wird. Das Internet ist die Gegenwart und die Zukunft, der wir nicht entgehen können. Unsere Herausforderung liegt darin, es anzunehmen und das Beste daraus zu machen.

(Übersetzung: Beate Endriss)


Olu Oguibe ist Künstler, Kunsthistoriker, preisgekrönter Dichter und ein führender Kommentator der Cyberkultur. Dr. Oguibe ist gegenwärtig Stuart S. Golding Endowed Chair für die Kunst Afrikas und der afrikanischen Diaspora an der University of South Florida. Seine exzellente Website bietet eine Einführung in die Afro-Amerikanische Kunst, Essays, Interviews und Künstlerprofile, eine virtuelle Galerie, Bibliographie und vieles andere mehr.
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Forum des Hauses der Kulturen der Welt, Berlin, zur Nutzung des Internet im Kulturaustausch mit und zwischen Afrika, Asien/Pazifik, Lateinamerika. 1998/1999