Kulturaustausch via Internet - Chancen und Strategien
Netz-Forum, Haus der Kulturen der Welt, Berlin

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  Statement:   Andrea di Castro
 
   Das Multimedia-Zentrum des Centro Nacional de las Artes in Mexiko-Stadt stellt Künstlern neue Technologien zur Verfügung und bietet allen Interessenten Schulungen zu deren Nutzung an. Mit dem Internet als außerordentlichem Werkzeug realisieren wir unsere Aufgaben, zu denen die Erarbeitung der Website des Nationalen Rates für die Kultur und die Künste (Consejo Nacional para la Cultura y las Artes) gehört, der staatliche Institution für die Koordination der Kulturarbeit in Mexiko. Ich denke, diese Website dürfte im Bereich der Kultur eine der umfangreichsten Lateinamerikas sein. Nachdem sie jetzt etwas mehr als ein Jahr im Netz ist, hat sie über 30.000 Hits pro Tag, die meisten aus anderen Teilen der Welt. Sie präsentiert die Vielfalt der kulturellen Aktivitäten unseres Landes und wird von uns auch für Experimente und die Ausbildung genutzt, so z.B. für virtuelle Räume mit Quick Time VR und VRML, welche Museen oder archäologische Stätten veranschaulichen.
   Aber unsere Arbeit mit dem Netz umfaßt weit mehr als nur diese Website. Wir haben auch damit angefangen, über das Internet, mit dem geografische Entfernungen leicht zu überwinden sind, akademische Fortbildungskurse in andere Landesteile zu übertragen. So wird von einem Dozenten, der außerhalb von Mexiko-Stadt wohnt, ein Kurs zum literarischen Schaffen geleitet. Er bekommt die Texte via Email zugeschickt und hält auf diese Weise den Kontakt mit seinen Studenten, die über das ganze Land verteilt sind. Wir sind derzeit dabei, einen »Chat« als Treffpunkt für die Studenten einzurichten.
   Im Internet haben wir auch das virtuelle Ambiente fr »Mi casa es tu casa / My house is your house« geschaffen, eine Installation des nordamerikanischen Künstlers Sheldon Brown. In dieser Installation interagieren Kinder aus Mexiko und aus San Diego in Kalifornien - Orten mit gleichen technischen Voraussetzungen - durch Virtual Reality in Echtzeit. Ihre Bewegungen werden mit einer Videokamera aufgenommen und ihre Koordinaten (der Wechsel ihrer Positionen) über das Internet an andere Orte übertragen, wodurch als Ergebnis dieser Bewegungen dreidimensionale Darstellungen entstehen. Dieses spielerische Environment ist allein in Mexiko-Stadt schon von 3.000 Kindern ausprobiert worden. Die Installation zeigt weitere Einsatzgebiete des Netzes, die wohl die Vorstellungskraft so manch eines Visionärs übersteigen und uns dazu bringen, vor dem Monitor eines Computers zu sitzen.
   Für ein Land wie Mexiko bietet die Nutzung des Internet besonders in der Kultur und Bildung wunderbare Möglichkeiten, Entfernungen zu minimieren und Erfahrungen weiterzugeben.

(Übersetzung: Pat Binder)


Andrea di Castro studierte autodidaktisch Fotografie, Film und Video. Seit 1970 realisiert er in diesen Disziplinen experimentelle Arbeiten. Seit 1993 ist er Direktor des Multimedia-Zentrums des Nationalen Zentrums für die Künste. Außerdem ist er Direktor von Imagia, einer Produktionsfirma fr Video, Multimedia und Kunst in Verbindung mit neuen Technologien
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Forum des Hauses der Kulturen der Welt, Berlin, zur Nutzung des Internet im Kulturaustausch mit und zwischen Afrika, Asien/Pazifik, Lateinamerika. 1998/1999