Kulturaustausch via Internet - Chancen und Strategien
Netz-Forum des Hauses der Kulturen der Welt, Berlin

  1998    1999:    1    [ 2 ]   3    4 english  |  español
 
Einblicke in die Debatte:  10. Mai - 7. Juli 1999

Zugang zu den zitierten Beiträgen

Mitglieder der Mailingliste: Durch Klick auf die Anmerkungen öffnen Sie ein Email-Fenster mit dem Kommando (Message-ID) für den Abruf des zitierten Beitrags. Nach dem Absenden der Mail wird er Ihnen sofort zugeschickt.

Wenn Sie nicht Mitglied der Liste sind, funktioniert das leider nicht. Wie Sie dennoch im Email-Archiv lesen und es nach Stichwörtern durchsuchen können, erfahren Sie in lesen und suchen im Archiv.

In die Mailingliste einschreiben: siehe Modalitäten - oder einfach eine Mail an join-forum1@hkw.kbx.de schicken.


Insgesamt kamen in dem Zeitraum, den diese Zusammenfassung erfaßt, 45 Beiträge von 26 Autoren u.a. zu folgenden Themen:

Netzkunst / Kunst im Netz

Bezugnehmend auf frühere Postings von Pedro Meyer, Kim Machan und anderen, fragte Pat Binder 1) nach Kriterien für Netzkunst und löste damit eine länger anhaltende Diskussion aus. Das Thema beschäftigt sie derzeit besonders im Zusammenhang mit einem Internet-Kunstprojekt zur Lyrik von Frauen im Konzentrationslager Ravensbrück, das sie gerade entwickelt und in ihrem Beitrag beschreibt.

Michael Thoss 2), Leiter der Abteilung Bildende Kunst im Haus der Kulturen der Welt, betonte, daß das Forum dem HKW bereits viele Impulse gegeben hat und nun darüber nachgedacht wird, wie es noch stärker in die tägliche Arbeit einbezogen werden könnte. Er kündigte ein Internet-Projekt zu einer Ausstellung afrikanischer Fotografen (Januar - März 2000) an, das seine Abteilung plant. Abschließend fragte Thoss in puncto Netzkunst und dem Vorschlag einer Internet-Ausstellung: "Wenn für Netzkunst das Medium zum Material wird, wie sind dann Künstler zu präsentieren, die mit (traditionellen oder nicht) Materialien arbeiten, welche sehr spezifisch ihre kulturellen Räume definieren? Wie ließe sich die Aura dieser Kunstwerke auf dem Bildschirm vermitteln?"

Héctor Zetina 3) schrieb zu diesem Thema u.a.: "Ich denke, die Medienkünstler der Zukunft, die einen individuellen Kunststil, wie heutzutage Malerei oder Fotografie, entwickeln wollen, müssen Erfinder ihrer eigenen elektronischen Werkzeuge sein. Das wird ihnen die totale Kontrolle über ihre Disziplin geben und etwas von der Kontrolle nehmen, die derzeit von der internationalen Software-Industrie ausgeübt wird ..."

Pat Binder 4) brachte dazu das Beispiel der Gruppe Mongrel [http://www.mongrel.org.uk/]. "Für ihre sozial engagierten Kunstwerke manipuliert diese jedwedes technologische Mittel ... und verdreht Software talk und Marketingformeln zu provokatorischen Statements, um latent vorhandene Vorurteile herauszufordern."

Mario García Torres 5) ging direkt auf Binders Auflistung möglicher Aspekte von Netzkunst 1) ein. Zu ihrer Frage "warum nicht hybride Formen, die auch mehr 'traditionelle' Kunstwerke enthalten könnten?" meinte er: "net.art ist net.art. Wir sollten die Natur von Kunstobjekten nicht vermischen, dann würden wir auch keine Hybriden und Mißverständnisse haben und müßten die 'Aura dieser Kunstwerke [nicht] auf dem Bildschirm vermitteln', wie Michael Thoss sagte."

Diese Auffassung war Binder zu puristisch 6): "Mir sind das Hybride, Mißverständnisse, transkulturelle Interpretationen oder welche Mutanten ein Künstler auch immer schaffen mag lieber, als der Purismus der Technologie-Gurus, die jetzt z.B. beschlossen haben, dem Betriebssystem Linux den Preis der Ars Electronica in der Kategorie '.net' zu geben! ... Selbst wenn die Jury das dadurch rechtfertigt, daß sie sagt, der Programmcode könnte als 'Kunst' gelten, zeigt das doch nur die Kapitulation vor der Technologie und die Mißachtung von 'Inhalt', Absicht und all diesen mysteriösen Elementen, die die 'Aura' eines Kunstwerks - selbst auf dem Bildschirm - ausmachen."

Cristina Jadick 7) stimmte dem zu. Alle von Binder genannten Kriterien kämen in Betracht. Wenngleich sie auch die Erläuterungen von Mario García Torres dazu schätzt, so fragt sich Jadick doch, "ob wir 'Internet-Kunst' schon mit einer Definition versehen sollten. Es ist eine junge Kunstform, die noch dabei ist, sich selbst zu definieren. ... Im sich ständig verändernden Spektrum von Internet-Kunst ist genügend Spielraum, um die technischen Besonderheiten und das freie Experiment, das zu schwer definierbaren hybriden Formen führt, unterzubringen ..."

Charity Ellis 8) bekräftigte das, indem sie die Entwicklung des Mediums Internet mit der Frühzeit der Filmkunst verglich.

In einem späteren Posting ergänzte Pat Binder 9): "... selbst wenn wir mit einer rigorosen Auffassung von net.art einverstanden wären - für die das Netz eine ausreichende und notwendige Bedingung des Sehens/Erfahrens und der Teilnahme ist (Steve Dietz) und für die das Werk eine Konfiguration sein müßte, die von anderen weiterentwickelt werden kann -, so muß doch eine künstlerische Intention vorhanden sein ..."

Olu Oguibe 10) meinte hingegen: "Ist es nicht vielleicht eine umgekehrte Art von Puritanismus, wenn wir Linux als Nicht-Kunst abtun, weil wir annehmen, daß dahinter keine 'künstlerische Intention' ... steht? Deutet der Akt an sich, Linux zum Ars Electronica Preis (einem Kunstpreis) einzureichen, nicht hinreichend genug auf eine künstlerische Absicht hin oder läßt er diese nicht zumindest auf dieselbe Weise erkennen, wie Duchamps Einreichung des umgedrehten Urinals zur Jahresausstellung der Society of Independent Artists in New York 1915, wodurch das Objekt für immer zur Kunst wurde?"

Wenn es so gewesen wäre, könnte man Oguibe durchaus beipflichten, doch geht seine Argumentation von einer falschen Vermutung aus. Auf eine Nachfrage von Gerhard Haupt (Moderator dieses Forums) bei der Ars Electronica kam die folgende Antwort: "Linux wurde von niemand zum Wettbewerb eingereicht. Da die .net Kategorie eine offene ist (d.h. Werke, die nicht eingereicht worden sind, können dennoch einen Preis erhalten), war die Entscheidung für Linux das Resultat einer stundenlangen Diskussion zwischen den Jurymitgliedern."

Juan José Díaz Infante 11) schrieb zum Thema (ohne die zitierte Auskunft der Ars Electronica zu kennen): "Ich denke, wir sollten uns dem in einer Haltung des 'zurück zu den Grundlagen' annähern. Zuallererst muß es sich um Kunst KUNST KUNST KUNST handeln. ... Der Preis an Linux ist eine schreckliche Aberration. Die simple Tatsache, daß so viele Erklärungen herangezogen werden müssen, erinnert mich an den Satz von McLuhan 'selbst der Schlamm kann den Eindruck von Tiefe vermitteln'. Kein poetischer Inhalt, keine Kunst..."

Internet-Ausstellung

Mehrfach wurde das nach wie vor vorhandene Interesse an der Ausrichtung einer Internet-Ausstellung bekräftigt und dabei auch bedauert, daß sich Britta Erickson von einer weiteren Diskussion der von ihr ursprünglich enthusiastisch vertretenen Idee zurückgezogen hat.

Cristina Jadick 7) schrieb zu Ericksons Konzeptskizze: "... Ich denke nicht, daß an den Parametern, die sie für die erste Ausstellung vorgeschlagen hatte und die auf thematischen Richtlinien basierten, irgend etwas falsch war. Die von ihr angeregten Eingrenzungen waren eben eine spezifische Perspektive, von der man bei der Recherche über und dem Experiment mit dem Internet als künstlerischem Medium ausgehen könnte."

Pat Binder 9) erinnerte daran, daß Leandro Katz 12) bereits vor längerem geschrieben hatte: "vielleicht ... IST dieses Forum schon die Ausstellung". Binder fügte hinzu: "Ich könnte mir vorstellen, daß Mitglieder des Forums in Postings Kunstprojekte präsentieren, die sie interessant finden, und dazu erklären, WARUM sie das Projekt im Kontext unseres Forum für wichtig halten. So könnten wir feststellen, 'ob es da draußen KUNST gibt' [Pedro Meyer 13)], und die Aufmerksamkeit auf wenig bekannte Kunstprojekte lenken. Es könnte sogar sein, daß wir auf diese Weise einen kollektiven kuratorialen Prozeß zustande bringen."

Josette Balsa 14) bot an, in Hong Kong digitale Kunst ausfindig zu machen und Künstler, die in dieser Richtung arbeiten, mit unserem Forum zusammenzubringen. Hinsichtlich der Ausstellung schrieb sie u.a.: "Die Werke, die ich bislang gesehen habe, sind mehr über das Netz transportierte Mailart als Kunst, die das Netz als kreatives Werkzeug und Prozeß begreift. Ich denke, eine Ausstellung im Netz zu organisieren bedarf der kuratorialen Reflexion, und vom Forum erhoffe ich mir diesbezüglich Antworten."

Aboriginal art / "genuine" Kunst

Damien Coghlan 15) stellte das Unternehmen Aboriginal Australia Pty Ltd und dessen Website [http://www.aboriginalaustralia.com.au/home.htm] vor. Zu seinen wichtigsten Zielen gehört es, das Verständnis und die Wertschätzung der Aboriginals und ihrer Kulturen zu fördern sowie die Arbeit eingeborener australischer Gemeinschaften und Unternehmen durch die Bereitstellung von Marketing- und E-Commerce-Angeboten zu unterstützen.

Diesem Posting folgte eine intensive Debatte, bei der es nicht nur um "genuine" indigene Kunst (in Australien und anderswo), sondern um eine Reihe grundlegender Fragen historischer und aktueller kultureller Prozesse ging. Die meisten Autoren untermauerten ihre Argumente mit Beispielen aus den Kulturen einzelner Länder, die in den folgenden Auszügen leider kaum berücksichtigt werden können. Hier eine kurze Zusammenfassung dieser Diskussion:

In ihrem ersten Posting zu diesem Thema bemängelte Josette Balsa 16) die Veränderungen in der Grundhaltung von Aboriginal Künstlern, die für den internationalen Kunstmarkt arbeiten. "... die ephemeren Sandarbeiten oder Baumrindenmalereien werden jetzt mit Acryl auf Leinwand gemacht, um sie ... verkaufen zu können. Was zutiefst religiös und rituell war, wird mehr und mehr kommerziell. In jedem Land, in dem Stammeskulturen überlebt haben ... führen die Konflikte zwischen den Eingeborenen und den Eindringlingen zu einem Prozeß der Akkulturation und des Verschwindens der 'primitiven' Kulturen."

Jenny Millea 17), Herausgeberin von Australia's Cultural Network [http://www.acn.net.au/], stellte den Begriff "genuin" in Frage. "Wenn etwas von einem Aboriginal gemacht wurde und Teil der Träume ist, aber auf Leinwand und für einen kommerziellen Markt entstand, wird es dadurch weniger 'genuin'? Schließt eine Kommerzialisierung religiöse und rituelle Bedeutungen aus? Mir scheint das ein weiteres Beispiel dafür zu sein, daß westliche Auffassungen davon, was Kunst ist und was nicht und was sie bedeutet, der indigenen Kultur aufgezwängt werden."

Vehement sprach sich Olu Oguibe 18) dagegen aus, Kulturen mit zweierlei Maß zu messen. Während Veränderungen auf der einen Seite als Ausdruck des Fortschritts gelten, wird das gleiche bei anderen Kulturen als Verlust angesehen. "... alle würden es als Zeichen von Genialität ansehen, daß junge europäische Künstler um die Jahrhundertwende in Paris Kunst aus Afrika und Ozeanien kopierten und sich damit weit von ihren eigenen Kunsttraditionen entfernten. Andererseits kriegen wir aber irgendwelchen Mist darüber erzählt, wie traurig es ist, wenn solche Transformationen mit anderen Kulturen geschehen ..." Weiter stellte Oguibe fest: "Wenn von 'genuiner' indigener Kunst gesprochen wird, dann impliziert das die Dichotomie zwischen dem Echten und seinem Gegenteil, der 'Fälschung' oder dem 'nicht Authentischen'. ... Ohne Zweifel haben indigene Völker aber einige der kraftvollsten australischen Künstler hervorgebracht: Rover Thomas, Jimmy Pike, der späte Lin Onus und Emily Kngwerere unter den älteren Künstlern; Gordon Bennett, Destiny Deacon, Fiona Foley und Tracey Moffatt unter den jüngeren. Diese Künstler haben einen verdienten Platz in der Geschichte großer Kunst des ausgehenden 20. Jahrhunderts, und sie malen nicht mit Farbstoffen auf Baumrinde ..."

Nach Britta Ericksons 19) Auffassung kann es zu zerstörerischen Effekten kommen, wenn sich Kulturen die Vorstellung zu eigen machen, der schnelle Wandel sei eine positive Kraft. Die "mystischen Kraft" und die "meditativen Qualitäten" der Aboriginal-Kunst seien jedoch darauf zurückzuführen, daß sie sich langsam entwickelte. "Wandel ist OK, aber laßt uns die Quelle dieses Wandels erkennen. Künstler haben das Recht, auszuwählen, aber ... diese Wahl ist nicht völlig selbst initiiert."

Josette Balsa 20) billigte schließlich zu, daß sich Aboriginal Kunst durchaus moderner Mittel bedienen kann. "Wenn die Werte einer Kultur erhalten bleiben, warum nicht! Wenn neue Formen aus der Fusion zweier Kulturen entstehen, großartig! ... "Aber es wäre es ein Verlust, die fundamentalen Werte einer Stammeskultur auszulöschen."

In einem weiteren Posting schrieb Josette Balsa 21) u.a. über das Konzept der "Anthropophagie" in der Kunst Brasiliens. "In Brasilien ist der Akt, den 'Anderen' zu verzehren, vor allem wenn er ein 'Eindringling' ist, ein Teil des normalen kulturellen Entwicklungsprozesses ... Die Brasilianer haben einen tiefen, besonderen Sinn für Humor. Sie werden mit fremdem Input fertig, indem sie sich diesen einverleiben und eine brasilianische Kultur mit indianischen, afrikanischen und europäischen Wurzeln schaffen ... zuzüglich all dessen, was sie von überall sonst her aufnehmen können."

Olu Oguibe 22) meinte, es sei nicht wahr, "daß sich die indigene australische Kunst langsamer entwickelte als jede andere Kultur vor dem 20.Jahrhundert. Bis zur Erfindung von Acrylfarben in Amerika um die Mitte des Jahrhunderts malten die meisten westlichen Künstler mit denselben Materialien wie Cimabue und andere am Beginn des Jahrtausends. Die Renaissancebildhauer arbeiteten auf dieselbe Weise wie die alten Griechen, obzwar innerhalb eines ideologischen Rahmens. Und die thematischen Traditionen der Fokussierung auf figürliche Darstellungen von Mythen und historischen Erzählungen oder von Laster und Tugend haben sich kaum verändert." ... "Das bringt uns zu einem anderen Punkt, nämlich daß die den indigenen Formen zugeschriebene 'mystische' Qualität sehr oft außerhalb dieser Kulturen fabriziert und dann auf sie projiziert wird, wie alle solche Stereotypen ... Demzufolge ist es fragwürdig, von einem Zusammenhang zwischen einem vagen 'Mystizismus' und einer genauso unbestimmten Behauptung der langsamen Entwicklung indigener Kunst zu sprechen. Vieles [nicht alles] von der indigenen australischen Kunst, wie auch von der afrikanischen, ist konzeptuell. ... die Form an sich ist sekundär gegenüber dem symbolischen Zweck und den Prozessen und Ereignissen, von denen sie nur einen Teil ausmacht. Wenn das wesentliche also im Prozeß und nicht so sehr in der Form besteht, ist es nur folgerichtig, daß ein solcher Prozeß unabhängig von bestimmten Materialien wiederholt werden kann. So verwenden die Yoruba in Nigeria gekaufte Plastikpuppen Made in China für ihren Zwillingskult, und zwar ohne auf das törichte Gejammer von Außenstehenden zu achten, die das kaum verstehen."

Cynthia Beth Rubin 23) war nicht damit einverstanden, wie Britta Erickson den Begriff "Euroamerika" benutzt hatte. "Die Nordamerikaner insgesamt (sowohl diejenigen, die die Macht haben, als auch die anderen) haben zu kultureller Migration und Vermischung eine ganz andere Einstellung als die Europäer, vielleicht auf Grund des offenkundigen Unterschieds in der Immigrantenzahl. Amerikanische so komplett mit europäischer Kultur zu verbinden, rührt von der Annahme her, der historisch dominante Einfluß sei der einzige, und negiert die wichtigen Einflüsse vieler anderer kultureller Gruppen in der gegenwärtigen amerikanischen Kultur."

Britta Erickson 24) entgegnete Oguibe, er unterstelle ihr Aussagen, die so gar nicht von ihr kamen, und bekräftigte: "Und niemand kann mich davon überzeugen, daß die plötzliche Umstellung auf eine Kultur des schnellen Wandels nicht schädlich für eine Kultur sei, die keine Chance hat, sich dorthin mit ihrer eigenen Geschwindigkeit zu entwickeln."

Ricardo Basbaum 25) begann sein Posting mit vertiefenden Erläuterungen der "Antropofagia" (Anthropophagie), die auch das Hauptthema der letzten Biennale von São Paulo war (1998). Im Grunde steht hinter diesem Begriff eine Diskussion darüber, was eigentlich die "Brasilianische Kunst" ausmacht. Auf ähnliche Weise sei wohl in den meisten Ländern/Kulturen "außerhalb der Achse Europa-USA" diskutiert worden, wie "die Veränderungen in der modernen westlichen Kultur" assimiliert werden können, und dennoch "eine andere und innovative Kultur" entsteht.
Eine seiner Schlußfolgerungen lautet: "... der einzige Weg, jedwede kulturelle Singularität als solche deutlich zu machen, besteht in der Konfrontation mit dem Andersartigen. Aber dabei geht offensichtlich die 'Reinheit' verloren, und die 'Hybridisierung' setzt ein. Es ist höchste Zeit anzuerkennen, daß das 'Hybridisieren', die Vermischung mit dem Anderen, das sich Öffnen gegenüber einer Verunreinigung durch das Andersartige, eine Kunst für sich ist. Nach meiner Auffassung hebt die Hybrydisierung weder den Unterschied auf, noch eliminiert sie die Singularität: als eine Strategie vermeidet sie das Festhalten an fixierten, idealistischen und sich nie verändernden 'Wesenszügen', die die Berührung durch 'Andere' scheuen."
In Bezug auf die Diskussion stellte Basbaum fest: "... was hier diskutiert wurde, ist das Wort 'Kunst' als einer 'Falle'. Wir benutzen es die ganze Zeit und denken dabei, daß wir dasselbe meinen, aber andauernd versehen wir es mit Adjektiven/Spezifikationen: 'australische' Kunst, 'brasilianische' Kunst, 'westliche' Kunst, 'afrikanische' Kunst, 'indigene' Kunst, 'Aboriginal' Kunst, und so weiter. Das Wort 'Kunst' ist tatsächlich 'polysemantisch' (d.h. es hat eine Vielfalt von Bedeutungen), aber wir sprechen davon immer, als würden wir uns auf dieselben Dinge, Probleme, Gegenstände beziehen - doch das tun wir nicht. Für mich ist 'Kunst' eine Technologie des Denkens, eine Methode für den Umgang mit und die Produktion von Realität. Die europäisch-amerikanische Tradition hat 'Kunst' als ein mächtiges kulturelles Werkzeug etabliert, das uns in die Lage versetzt, in verschiedenartige kulturelle Konstruktionen zu intervenieren. Das 'westliche' Kunstkonzept hat bewiesen, daß es sich jedwede Kultur anzueignen vermag und daß es mutieren und sich bestimmten Interessen gemäß wieder und wieder replizieren kann.
Warum nicht andersherum denken? Warum nicht in Erwägung ziehen, daß sich die nicht-westlichen Kulturen der Vorteile desselben konzeptuellen Werkzeugs 'Kunst' (Kunst als Technologie des Denkens) bedienen könnten und dann das Kunstkonzept erfolgreich 'abwandeln', um große, nie zuvor gesehene Dinge zu produzieren?"

Zum Schluß meldete sich noch einmal Damien Coghlan 26) zu Wort. Er fügte einige Punkte zur kulturellen Vielfalt und dem kulturellen Kontext der Aboriginals hinzu, um die in seinem ersten Posting gemachten Aussagen zu unterstreichen.

Projekte, Veranstaltungen, Ausstellungen

Wiederum kamen diverse Einladungen, Informationen, Bitten um Unterstützung und Reflexionen zu Projekten, Veranstaltungen und Ausstellungen. Hier eine Auflistung in der chronologischen Reihenfolge der Postings:

  Partha Pratim Sarker 27) stellte Drik Multimedia [http://www.drik.net] vor, eine von ihm koordinierte Bildagentur in Dhaka, Bangladesch, die auch zu den Pionieren bei der Einführung der Informationstechnologie in diesem Land gehört.
  Aus der Perspektive einer beteiligten Künstlerin ging Folake Shoga 28) noch einmal auf die Ausstellung Afromedi@rt und die Auseinandersetzung 29) darüber zwischen Olu Oguibe und Davis O. Nejo ein. Es ist zu hoffen, daß ihre Äußerungen zu "Black Art" und zur kuratorialen Praxis in diesem Bereich im weiteren Verlauf des Forums erneut aufgegriffen und diskutiert werden.
  Bezugnehmend auf die immer wieder angesprochene Internet-Ausstellung präsentierte Davis O. Nejo 30) sein "Internet Atelier" [http://www.t0.or.at/~ccc , click "news 99"], ein "Kunstprojekt, zu dem afrikanische und andere Künstler, die zu afrikabezogenen Themen arbeiten, eingeladen sind, Kunstwerke in einem virtuellen Raum zu schaffen."
  Anahí Cáceres 31) aus Buenos Aires, Direktorin von ArteUna [http://www.arteuna.com], schickte die Einladung mit Projektbeschreibung zum "1. Festival und Wettbewerb für Digitale Kunst bei arteuna.com".
  Hans Braumüller 32) wiederholte den Aufruf zur Beteiligung an "Crosses of The Earth - Homage To Indigenous People" [http://www.crosses.net/2000], einer Ausstellung mit Netzprojekt in Chile im Januar 2000.
  Tilman Baumgärtel 33) schickte den Pressetext zur Konferenz "Wizards of OS #1 - Open Sources and Free Software" am 16. und 17. Juli 1999 im Haus der Kulturen der Welt. [http://www.mikro.org/wos]
  Martín García 34) kündigte "The Manifest of the Macaw, Amazon" an, eine Veranstaltung mit einer Mischung aus Kunst, Literatur und Fotografie, die er an verschiedenen Orten Nordeuropas und im Internet präsentiert. [http://www.macawart.de]
  Zwischen Josette Balsa 35) und Britta Erickson 36) gab es einen Austausch über die Beteiligung chinesischer Künstler an den letzten beiden Biennalen von São Paulo, der gegenwärtigen Biennale von Venedig sowie an anderen Ausstellungen.
  Catherine McGovern 37), Web-Künstlerin aus Montréal, schickte die Vorinformation zur IIC Pre-Conference "Converging Responsibility: Broadcasting and the Internet in Developing Countries", am 4./5. September 1999 in Kuala Lumpur, Malaysia [http://www.comunica.org/kl/]. Sie wird veranstaltet vom International Institute of Communications (IIC). Dessen Jahreskonferenz findet vom 7. bis 9. September ebenfalls in Kuala Lumpur statt. Ihr Thema ist "Emerging Knowledge Society - Commerce, Culture and Communities in Cyberspace". [http://www.iicom.org/services/conferences/kl99/index.htm]
  Dank eines Stipendiums des Media Centre d'Art i Disseny (MECAD), Sabadell, Barcelona, arbeitet Ricardo Iglesias 38) derzeit am Internet-Kunstprojekt "References", für das er Unterstützung sucht (Hosting in verschiedenen Städten).
  Arafat Al-Naim 39) von der Abteilung für Grafik der Nationalen Kunstakademie in Sofia, Bulgarien, lud zur Beteiligung am "Relief Printmaking Research Project" ein. Dabei geht es darum, neue technische und künstlerische Leistungen auf dem Gebiet des zeitgenössischen Reliefdrucks zusammenzutragen. [http://www.prontomail.com/Prontomail/users/arafat]

Zusammenfassung: Gerhard Haupt
up
  1998    1999:   
1    [ 2 ]   3    4
   Feedback   Möchten Sie sich in der Debatte äußern? Beachten Sie bitte, daß diese in englisch über eine Mailingliste stattfindet (siehe Modalitäten).

Um sich in diese einzutragen, schicken Sie eine Email an join-forum1@hkw.kbx.de oder geben Sie Ihre Angaben in das Formular ein. Erst nachdem Sie die Bestätigungsmail erhalten haben, können Sie aktiv am Forum teilnehmen.

Wenn Sie bereits Mitglied der Mailingliste sind, können Sie Ihre Meinung direkt an forum1@hkw.kbx.de schicken (bitte in englisch).
 zurück

Forum des Hauses der Kulturen der Welt, Berlin, zur Nutzung des Internet im Kulturaustausch mit und zwischen Afrika, Asien/Pazifik, Lateinamerika. 1998 / 2000

Projektleitung: Gerhard Haupt - haupt@uinic.de