Kulturaustausch via Internet - Chancen und Strategien
Netz-Forum des Hauses der Kulturen der Welt, Berlin

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Einblicke in die Debatte:  31. März - 9. Mai 1999

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Vom 31. März bis 9. Mai 1999 beteiligten sich 35 Personen mit insgesamt 68 Beiträgen an der Debatte. Hier Auszüge daraus:

Hans-Georg Knopp, Generalsekretär des Hauses der Kulturen der Welt, wies in seiner Eröffnungsmail auf die weitere Förderung des Forums durch den Verein der Freunde des HKW hin und unterstrich, das HKW wolle den Kulturaustausch via Internet noch stärker in seine Arbeit integrieren. 1)
Gerhard Haupt, Projektleiter des Forums, machte auf die Zwischenauswertung der ersten Phase der Debatte als eine Grundlage der weiteren Diskussion aufmerksam. 2)

Webspace für kulturelle Inhalte

Auf Olu Oguibes Ankündigung, er müsse seine Website vom Server nehmen 3), kamen zahlreiche Hilfsangebote und Hinweise auf gratis Hosting. Juan José Díaz Infante meinte, Provider, wie Compuserve, Geocities, Star Media etc. hätten ständig Bedarf an solchen Angeboten. "Sie brennen darauf, jemand mit kostenlos erstellten Inhalten zu finden, der bereit ist, diese umsonst zu veröffentlichen". 4)

Sam brachte die Bündelung von Ressourcen bei vielen Sites sozialer Bewegungen als nachahmenswertes Beispiel. Dabei erhalten die Beteiligten für ein geringes Entgelt Webspace auf Servern, die von einzelnen Mitgliedern der Gruppe gewartet und administriert werden. "Es ist schade, daß diese Art der Gemeinschaftsarbeit in Kunstkreisen nicht stattfindet." 5)

Austausch über technische Aspekte

Ausgehend von Oguibes Mail 3) ging der im letzten Jahr begonnene Austausch über die Anfälligkeit digitaler Information und die Möglichkeiten der Datensicherung weiter. Einige Mitglieder fanden diese Debatte jedoch zu technisch.

Pedro Meyer wies solche Kritik zurück: "Wer technische Aspekte geringschätzt ... übersieht, daß Inhalt heutzutage mehr denn je Teil der Form ist ... Die kulturellen Manifestationen und Veränderungen vollziehen sich mit solcher Geschwindigkeit, daß man sich ihre Verästelungen nicht mehr ausgehend von Erfahrungen der Vergangenheit vorstellen kann." Ein solches Forum sei "genau der Ort, alles was passiert zu diskutieren, zu evaluieren und kritisch zu betrachten, einschließlich aller technischen Gesichtspunkte, denn diese haben tiefgreifende Konsequenzen auf alles, was wir tun wollen ..." 6)

Das Sprechen für "andere" im Netz

Olu Oguibe bat um Meinungen zu einem Thema, das ihn beschäftigt: "... das Sprechen für 'andere' im Netz, womit ich die Praxis des politischen oder sozialen Aktivismus ... meine, besonders wenn dergleichen im Namen von Gruppen geschieht, die keine eigene Netz-Präsenz haben". 3)

Ricardo Basbaum machte dabei folgenden Unterschied: "Wenn das Argument ein politisches Problem beinhaltet, gehört es zu dessen Natur, eine kollektive Angelegenheit zu sein. Unmöglich, nicht im Plural zu sprechen, denn die adäquate Arena für diese Fragen ist die öffentliche Debatte. ... MEINE politischen Bedenken haben nur dann einen Sinn, wenn sie in eine soziale Perspektive gesetzt werden. ... Aber wenn es ... um Probleme der Kunst geht, verhält es sich anders. Als ein Künstler, der sich mit Problemen der zeitgenössischen Kunstpraxis und Sprache beschäftigt, sehe ich MICH isoliert von meinen Kollegen: sollte ich dann MEINE Überlegungen als MEINE oder als UNSERE ansehen? ... Wenn ich durch MEIN Kunstwerk spreche, bin ich dann ein 'kollektives Subjekt' (UNS) oder einfach ein Einzelfall (ICH)?" 7)

Internet als kulturelles Werkzeug

Stephen Roberts löste heftigen Widerspruch aus, als er schrieb, er sieht das Internet nicht als kulturelles Werkzeug, denn es sei mehr ein Medium für den Verkauf als für die Erziehung, und es sei voller Pornographie und Werbung. 8)

Tom Vincent antwortete, jeder in dieser Liste hält sich wohl für "gebildet" genug, "ein Bombardement aus Werbung, Porno-Sites und tendenziösen Nachrichten auszuhalten und trotzdem beurteilen zu können, was im Leben wichtig ist." Das Web ist ein Spiegel dessen, was die Menschen sind, und "vieles davon ist sehr häßlich". Das hätten wir zwar schon immer gewußt, aber jetzt können wir es deutlicher wahrnehmen. Durch "Massenkommunikation und 'Bildung' ist der Prozentsatz an Leuten, die in die Lage versetzt worden sind, zu beurteilen, was gut und was nicht gut ist, jetzt höher als je zuvor, und das Web hat in gewisser Weise dazu beigetragen." 9)

Pedro Meyer machte Roberts die Vorzüge des Internet an diesem Forum deutlich. Ohne Internet hätte er wohl kaum seine Meinung an Leute schreiben können, die er nicht einmal kennt, und noch dazu Antworten erhalten. "Wir schaffen eine 'Kultur' über das Internet, indem wir es nutzen, indem wir diesen Dialog herstellen ..." 10)

Networking

Gerhard Haupt betonte die Bedeutung des Networking und schlug vor, dieses im Forum genauer zu analysieren und dementsprechende Erfahrungen auszutauschen. Dabei sollte die Kritik von José Tlatelpas im vergangenen Jahr bedacht werden, die Diskussion sei auf die Kontakte zwischen der "westlichen Welt" und dem "Süden" konzentriert und würde die Interaktion z.B. zwischen Afrika und Lateinamerika oder Asien und "Native Amerika" zu wenig einbeziehen. 11)

Ein Beispiel des Networking brachte Kim Machan, indem sie über ihre Erfahrungen als Leiterin des 1. Festivals Multimedia Arts Asia Pacific (MAAP) und die Vorbereitung der Veranstaltung in diesem Jahr berichtete, zu der sie Teilnehmer aus der Asien/Pazifik-Region einlud. 12)

Internet-Ausstellung

Britta Erickson stellte erneut die Internet-Ausstellung zur Diskussion, die sie schon im letzten Jahr vorgeschlagen hatte: "Diese Ausstellung würde der Rolle des Internet als Mittel zur Erleichterung des Kulturaustauschs gewidmet sein. ... Ich würde sie zunächst in zwei Teile gliedern. Im Forum gab es zwei größere Diskussionsstränge. Einer betrifft die kulturelle Kommunikation von Leuten, die sich der Kraft des Internet höchst bewußt sind und sich darum bemühen, sie zu nutzen. Zum anderen Strang gehören die schnelle Globalisierung der Kultur und die Auswirkungen auf Kulturen, die das Internet nicht direkt nutzen." Sie nannte vier mögliche Schwerpunkte der Ausstellung. 13)

Einige Teilnehmer nahmen die Idee begeistert auf und waren zur Mitwirkung bereit. Robert Bernell bot an, den technischen Teil und den Aufbau der Site zu übernehmen, wenn auf der Startseite ein Sponsorbanner mit Link zu seinem Online-Magazin "Chinese Type Contemporary Art" erscheint. 14)

Joana Breidenbach hatte sich schon in ihren Postings des letzten Jahres auf das Thema "Globalisierung" konzentriert. Jetzt listete sie eine Reihe von Konzepten zum "Studium globalisierter Kultur aus einer anthropologischen Perspektive" auf, die für die Ausstellung relevant sein könnten. 15)

Andere Teilnehmer äußerten Bedenken bzw. Kritik. Juan José Díaz Infante meinte, ein solches Konzept sei "zu breit, um tatsächlich zustande zu kommen." Die Ausstellung wäre zu groß und technisch kaum realisierbar. Er würde aber nicht die Möglichkeit ausschließen, aus unserem Forum ein kreatives Projekt werden zu lassen. 16) Pedro Meyer konstatierte eine "kulturelle Trennung" zwischen Künstlern und "kulturellem Establishment (Kuratoren, Kritiker, etc.)". Er empfahl, "... zunächst einmal festzustellen, ob es da draußen KUNST gibt, die ihr ... 'organisieren' wollt. Und wenn ihr in dieser Hinsicht sicher seid, dann versucht herauszufinden, was die Künstler selbst dazu meinen, statt das Ganze von hinten aufzuziehen, indem ihr von der nicht überprüften Annahme ausgeht, eine Masse an Kunst würde nur darauf warten, von eurer kuratorialen Expertise erfasst zu werden." 17)

Erickson entgegnete, es gebe durchaus verschiedene Herangehensweisen, so auch die, daß eine Idee am besten über eine Ausstellung deutlich gemacht werden kann. Sie erläuterte nochmals, warum sie die Internet-Ausstellung für wichtig hält. 18) In einem weiteren Posting verkündete sie allerdings ihren Rückzug aus diesem Projekt. 19)

Künstler - Kuratoren - Kunstbetrieb

Bei der Diskussion über die Internet-Ausstellung ging es auch um das Verhältnis von Künstlern und Kuratoren an sich.

Francisco Córdoba fragte, was die in der Mailingliste vertretenen Künstler über die Ausstellung denken. "... sind wir als Mitglieder des Forums daran beteiligt oder müssen wir auf die 'Genehmigung' unserer Teilnahme durch die 'Experten' warten?" Das Forum würde die "Distanz zwischen den 'Experten' und dem 'Rest' beibehalten, wenn wir als Künstler nicht die Stimme erheben". Córdoba verwies erneut auf ein Dokument der UNESCO zum Status der Künstler. 20) Dabei handelt es sich um die "Final Declaration of the World Congress on the Implementation of the Recommendation Concerning the Status of the Artist", veröffentlicht im Juni 1997. Gerhard Haupt nannte dazu genauere Angaben und den Link zur UNESCO-Datenbank. Der Text wurde von ihm zum Abruf als Email bereitgestellt. 21)

Auch Leandro Katz äußerte sich zur Dichotomie Künstler- Kurator. Er betonte, daß die Machtposition des Kurators eines Projekts gerade im Zusammenhang mit politischer Kunst "besonders böswillig ist, wenn solch ein Projekt darauf abzielt, das Werk lebender Künstler und deren Verhältnis zu einem politischen Moment in der jüngeren Vergangenheit zu historisieren." 22)

Bezugnehmend auf die Mail von Córdoba schrieb Juan José Díaz Infante, bei den meisten großen Kunstevents sei der Kurator heutzutage leider wichtiger als der Künstler geworden. Deswegen werden viele Künstler selbst zu Kuratoren. Der Kurator sei schon deshalb vonnöten, weil man nicht alles zeigen kann, was einem angeboten wird. Problematisch ist aber, wenn der Kurator nach politischen Kriterien vorgeht, die mit der Freiheit der Kunst interferieren. 23)

Projektpräsentationen, Informationsaustausch

Ein wesentlicher Aspekt des Forums ist, daß Projekte vorgestellt und Informationen ausgetauscht werden können:

  Tom Vincent bat um Infos für den Ausstellungen- und Veranstaltungskalender von InterCommunication, einem in Japan veröffentlichten Magazin für Medienkunst. 24)
  Jenny Millea wies ihn auf die australischen Events auf der Site von Australia's Cultural Network hin, deren Herausgeberin sie ist. 25)
  Frank Vázquez präsentierte "Arte Cubano". 26) Seine Klage über die unpersönlichen Adressen bei Geocities beantwortete Tom Vincent mit einem Hinweis auf den kostenlosen Service von V3, wo man eine eigene URL einrichten kann, über die Nutzer zu der existierenden Site weitergeleitet werden. 27)
  Abelardo Mena stellte "Rayuela" vor, ein Projekt für Kunst und Kultur aus Kuba, Lateinamerika und der Karibik, und bat um Linkvorschläge. 28)
  Xavier Cortada lud zu gemeinsamen Kunstaktionen in seinem WebStudio ein. 29)
  Bruno Wilhelm Speck informierte über das Netz-Forum "Hightech and Macumba", veranstaltet vom Goethe-Institut São Paulo. 30)
  Tom Vincent wies auf den "First South Asia Internet Workshop For Rural Infrastructure" hin und leitete einen Artikel von Madanmohan Rao mit interessanten Informationen zur Situation des Internet in Süd-Asien weiter. 31)
  Davis O. Nejo von Cross Cultural Communication reagierte auf eine Kritik von Olu Oguibe 32) an der Ausstellung "Afromedi@rt" und deren Zustandekommen, wobei er das Projekt mit Medienkunst aus Afrika und der afrikanischen Diaspora näher erläuterte. 33) In seiner Erwiderung schrieb Oguibe, wie und in welchem Kontext er Präsentationen von Arbeiten dieser Künstler für angebracht hält. 34)

Sorge um afrikanische Kunst

dele jegede bat eindringlich, die Aufmerksamkeit auf die "verheerenden Auswirkungen der raubgierigen westlichen Kultur auf die Kunst Afrikas" zu richten, womit er hier vor allem den Raub von Kunstschätzen meinte. 35)

Manfred Ewel, ehemaliger Direktor des Goethe-Instituts in Tanzania, pflichtete ihm in mehreren Punkten bei, wies aber darauf hin, daß dieses Thema nicht unmittelbar mit dem Internet zu tun hat. Deshalb fragte er, ob man dazu nicht eine Art Sub-Forum eröffnen könnte. 36)

Zusammenfassung: Gerhard Haupt
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Forum des Hauses der Kulturen der Welt, Berlin, zur Nutzung des Internet im Kulturaustausch mit und zwischen Afrika, Asien/Pazifik, Lateinamerika. 1998 / 2000

Projektleitung: Gerhard Haupt - haupt@uinic.de