Kulturaustausch via Internet - Chancen und Strategien
Netz-Forum des Hauses der Kulturen der Welt, Berlin

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Einblicke in die Diskussion (6):  23. bis 29. November 1998

In dieser Woche kamen die folgenden Beiträge zur Debatte:

Alfred Tay, art coordinator von sperio.com [http://www.sperio.com/], nahm Bezug auf Aussagen von Manfred Ewel und Reinhold Wagnleitner und schrieb über die Grenzen, die Regierungen von einige Ländern der "Dritten Welt" der Nutzung des Internet setzen. "Das Internet wird oft als eine Gefahr für die politische Stabilität eines Landes gesehen." Er selbst ist von den Möglichkeiten des Mediums fasziniert und fragte abschliessend nach Linkvorschlägen zu Kunst und Kultur. Als Antwort auf eine Mail, die A.Mena ihm direkt geschickt hatte, gibt Tay in einem zweiten Posting nähere Auskunft über sein Web-Projekt sperio.com.

Pedro Meyer stellte ZoneZero [http://zonezero.com] vor, das von ihm geschaffene "Fotografie-Zentrum" im Internet (in englisch und spanisch). Es existiert jetzt 3 Jahre und präsentiert Arbeiten von mehr als 100 Fotografen aus aller Welt als individuelle Ausstellungen "fotografischer Essays, die einen spezifischen Inhalt haben"... "Ein Bereich, auf den wir sehr stolz sind, ist das Ergebnis des Austauschs zwischen Publikum und Künstlern, den wir zustande gebracht haben." ... "Heute haben wir ein Problem in Bezug auf das, was oder wer wir als ZoneZero sind. ... ein Magazin? ... eine Galerie? oder ein Museum? oder eine Bilbliothek? oder ein Buchladen? oder Buch? oder ein Kulturzentrum? Das sind alles Metaphern unserer analogen Welt, die unserer Anatomie irgendwie doch nicht angemessen sind ..." "Wenn Marcel Duchamp ein Pissoir zur Kunst erklärte, was hindert mich daran, ZoneZero ebenso gut zum Kunstwerk zu erklären?" Pedro Meyer schloß mit einigen Bemerkungen zur Fragwürdigkeit des Begriffs von "Originalität" in Bezug auf viele Sites die als "web art" bezeichnet werden.

Alisa Kottmair schrieb u.a. über Ihre Erfahrungen mit der Nutzung des Internet in Vietnam. Sie kommt ursprünglich aus den USA und lebt jetzt in Berlin, wo sie mit jungen Vietnamesen in einer Art Kulturzentrum zusammenarbeitet. In ihrem langen Posting reflektiert sie u.a. über deren Situation, über die Nutzung des Internet in den Ost-Berliner Kreisen, in denen sie sich bewegt, und über ihr eigenes Leben zwischen den verschiedenen Kulturen und die Rolle, die das Internet dabei für sie spielt.

Im Zusammenhang mit der Frage, was für die Erstellung kultureller Inhalte für das WWW getan werden könnte, und bezugnehmend auf das bei Kulturinstitutionen anscheinend oft noch fehlende Bewußtsein für ihre Verantwortung bei dieser Aufgabe, brachte Pat Binder zwei positive Beispiele: Australia's Cultural Network und eine Web-Ausstellung von Werken Südafrikanischer Künstler, die von einem lokalen Provider produziert wurde.

Anjali Arora, eine Künstlerin aus Indien, beschrieb, wie das Internet ihr persönliches Leben bereichert hat. Wie viele andere Frauen auch, konnte sie nicht außer Haus arbeiten gehen, weil sie sich um ihr Kind kümmern mußte, und begann zu malen. Durch das Internet erhielt sie die Möglichkeit, ihre Malerei selbst bekanntzumachen. Jetzt ist die Arbeit an ihrer Website [http://www.artbrush.net/] zu einer Beschäftigung für die ganze Familie geworden.

Birgit Haehnel stellte "Das Subjekt und die Anderen" vor, ein interdisziplinäres Forschungsprojekt an der Universität Trier zur Interkulturalität und Geschlechterdifferenz in Kunst und Literatur, an dem sie mitarbeitet [http://www.uni-trier.de/~linsenho]. Als Kunsthistorikerin ist sie vor allem an Künstlerinnen interessiert, die sich an der Debatte über Postkolonialismus beteiligen. Sie meinte, während sie auch über das Internet entsprechende Statements aus aller Welt gefunden hätte, vermißt sie solche aus Deutschland. Pedro Meyer wies Birgit Haehnel auf die Publikation zur Ausstellung "Distant Relations" hin, die komplett auf seiner Website liegt. Frank Borris machte sie auf "Fluchtzeiten", ein Projekt aus Bremen, aufmerksam.

Hans Braumüller, ein deutsch-chilenischer Künstler, beschäftigt sich seit 1987 mit der mail art, in deren "kreativem Prozess einer Gemeinschaft" er einen Vorläufer der Online-Kunst sieht. Als Beispiel für seine Aktivitäten in der Verbindung zwischen mail art und Internet schilderte er die Verbreitung eines Kommuniqués. "In diesem fordern wir Gerechtigkeit für Humberto Nilo und die Auslieferung von Pinochet an Spanien." ... "Gegenwärtig organisiere ich mein nächstes Networking-Projekt - Kreuze der Erde: Hommage an die Indigenen Völker [http://www.crosses.net], bei dem ich mit Künstlern aus Welt zusammenarbeite."


Zusammenfassung: Gerhard Haupt

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Forum des Hauses der Kulturen der Welt, Berlin, zur Nutzung des Internet im Kulturaustausch mit und zwischen Afrika, Asien/Pazifik, Lateinamerika. 1998/1999

Projektleitung: Gerhard Haupt - haupt@uinic.de