Kulturaustausch via Internet - Chancen und Strategien
Netz-Forum des Hauses der Kulturen der Welt, Berlin

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Einblicke in die Diskussion (5):  16. bis 22. November 1998

In der letzten Woche kamen 15 Postings zur Debatte des Forums, darunter mehrere Präsentationen von Projekten:

Andrey Martynov, der hauptberuflich Wissenschaftler ist, berichtete über sein Engagement im Kulturaustausch der regionalen Galerie in Novosibirsk und seine Arbeit für deren Internetpräsentation. Er beschrieb die Schwierigkeiten und das Unverständnis, mit denen er konfrontiert ist. Trotzdem konnte er zwei Projekte erfolgreich durchführen: "ArCade II", zusammen mit einer englischen Künstlerin und einem japanischen Künstler, und "Living Faces", eine Ausstellung und Webpräsentation zeitgenössischer japanischer Grafik. Im nächsten Jahr drohen die Sites allerdings vom Server genommen zu werden, deshalb ist er auf der Suche nach einem neuen Hosting. Zu seinem Beitrag äusserten sich unterstützend Estelita V. Llanita von den Philippinen und Francisco Córdoba, der auch die Möglichkeit eines gemeinsamen Projekts einräumte. Nayda Collazo Llorens schlug vor, Martynov solle sich unter den freien Webspaceangeboten umschauen.

Reinhold Wagnleitner aus Österreich betonte nochmals den militärischen Ursprung des Internet, um zu optimistische Erwartungen, das Mediums könne die "Erfüllung individueller Freiheit" sein, zu dämpfen. Doch vor allem schrieb er über die Arbeitsgruppe "Geschichte und Internet", die er gerade mit einigen Kollegen an der Universität Salzburg gründet.

Art McGee schickte eine Zusammenstellung von Links zu Fragen von "Ethnizität, Kultur, Klasse, Armut, Computer und Cyberspace".

Donna Hand-Lee und Jeff Lee präsentierten "Trophies of Honor - Art Chronicles of Indigeous Peoples", "ein Projekt, um eingeborene Kunst und Kultur zu verbreiten und zu bewahren, indem Werke von musealer Qualität in Form von Ausstellungen im Internet präsentiert werden."

Manfred Ewel, vormals Direktor des Goethe-Instituts in Dar es Salaam/Tanzania, meinte, "wir sollten die Notwendigkeit persönlicher Kontakte nicht außer acht lassen und stattdessen erwarten, daß das Internet die Leute zusammenbringt". Bislang war in der Debatte die Bedeutung persönlicher Kontakte allerdings überhaupt nicht in Frage gestellt worden. Im Hinblick auf ein solches Forum äußerte Ewel Skepsis, denn "viele Leute sind schon in ihre spezifischen Interessens- und Kommunikationsbereiche involviert. Sie verbringen genug ihrer Zeit damit und haben kein Bedürfnis, sich aktiv an einem größeren Forum zu beteiligen."

Nachdem Gerhard Haupt in einer Mitteilung darauf hingewiesen hatte, daß das Forum nur noch 3 Wochen dauert, kritisierte Klaus Juergen Schmidt von Radio Bridge Overseas diese zeitliche Begrenzung. Harald Friedl knüpfte daran an und bat den Moderator, darüber zu berichten, wie schwierig es ist, ein Netzforum in Gang zu bringen und die Diskussion über eine längere Zeit aufrecht zu erhalten. Er hätte im Online-Magazin "zum Thema" die Erfahrung gemacht, daß das Feedback selbst bei heiklen Themen relativ gering ist. "... Internet und die Diskussion über seine Bedeutung und Konsequenzen ist noch immer nur für diejenigen eine (wichtige!) Frage, die sich damit überhaupt auseinandersetzen können, und die sich nicht darum sorgen müssen, wie sie den nächsten Tag überleben..." Aber "um richtig verstanden zu werden: Das Hauptziel dieses Forums ist ein sehr wichtiges."

Gerhard Haupt antwortete darauf u.a.: "Dieses Forum ist initiiert worden, um während einer begrenzten Zeitdauer eine konzentrierte Debatte über bestimmte Themen zu führen. Für das Haus der Kulturen der Welt ist es eine neue Form, sein weitaus umfassenderes und schon viele Jahre dauerndes Programm des Kulturaustauschs fortzusetzen." In jedem Falle ist es aber nur "Teil eines umfassenderen Verständigungsprozesses, der im Netz auf verschiedene Weise und in einem ständigen Fluss stattfindet." Daß die Diskussion nur langsam in Gang kam, ist keineswegs eine Frage mangelnden Interesses. Das belegen die vielen Besuche auf der Website, das häufige Abrufen der mehrsprachigen Texte via Email, die Aufmerksamkeit der "traditionellen" Medien, die Mails direkt an den Moderator, etc. "Offenbar sind jedoch besonders die aktivsten Mitglieder der verschiedenen Netz-Communities und Herausgeber von Kultur-Websites so im Streß, daß sie noch nicht die Zeit gefunden haben, sich auch tatsächlich zu äußern. Doch gerade ihre Erfahrungen sind hier von grundlegender Bedeutung, denn durch ihre Sites entstehen die kulturelle Inhalte im Netz, und damit die Voraussetzung dafür, daß wir überhaupt etwas 'auszutauschen' haben."

Kim Machan bestätigte: "es ist wahr, daß einen vor allem der Zeitdruck daran hindert, zu antworten. Ich habe eine immense Fülle an nützlichem und anregendem Material gefunden..." Sie berichtete über verschiedene Aspekte der Nutzung des Internet beim MAAP98 Festival (Multimedia Art Asia Pacific) und teilte einige Überlegungen in Vorbereitung der Veranstaltung des nächsten Jahres mit. "Als eine praktische Person ... möchte ich noch mehr hilfreiche Tips von der erstaunlichen Fülle von Ansichten bekommen, die mit diesem Forum verbunden sind..."

Noch vorher kam ein Beitrag von José Tlatelpas, der in Kanada das spanischsprachige Webzine "La Guirnalda Polar" herausgibt. Unter anderem machte er darauf aufmerksam, daß "die Grundlagen der Diskussion noch immer auf der Interaktivität zwischen der westlichen Welt und dem 'Süden' beruhen... Ich denke, das ist nicht der Kern des Problems. Was ist mit den Beziehungen zwischen Afrika und Lateinamerika... zwischen Asien und Native Amerika...?" Er kritisierte: "viele Künstler und Kuratoren sind sehr an Kontakten mit den USA interessiert, aber nicht an solchen mit Haiti und Honduras, um nur diese Beispiele zu nennen."

Im letzten Posting der vergangenen Woche schrieb Teoman Madra aus der Türkei: "wir machen die Erfahrung, daß Internet die Gelegenheit schafft, schnell die unmittelbare Vergangenheit und die ultimative Zukunft zu vermessen; damit ist gemeint, daß die Menschen durch das Internet ihre eigene Position in diesem Moment dazwischen definieren können..." "Künstler sollten den Weg zu einer solchen Herausforderung anführen."


Zusammenfassung: Gerhard Haupt

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Forum des Hauses der Kulturen der Welt, Berlin, zur Nutzung des Internet im Kulturaustausch mit und zwischen Afrika, Asien/Pazifik, Lateinamerika. 1998/1999

Projektleitung: Gerhard Haupt - haupt@uinic.de