Kulturaustausch via Internet - Chancen und Strategien
Netz-Forum des Hauses der Kulturen der Welt, Berlin

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Einblicke in die Diskussion (4):  09. bis 15. November 1998

In knapp 3 Wochen geht dieses Forum zu Ende. Es ist zu hoffen, daß sich in der verbleibenden Zeit noch mehr der mittlerweile 180 Mitglieder der Mailinglingste auch in der Debatte zu Wort melden, denn in der Kommunikation miteinander liegt der Sinn eines solchen Forums. Zu diesem Thema hat sich Olu Oguibe in seinem letzten Posting ausführlich geäußert.


Vom 9. bis 15.November kamen folgende Beiträge zur Debatte:

Naief Yehya setzte die Diskussion über die Fragilität des Internet fort: "...den Inhalt des Netzes in einer Art dauerhafter Dateien zu bewahren, ist ein Prozeß, der nicht nur die Form, sondern auch den Inhalt selbst in Mitleidenschaft zieht." "... wenn wir einen Mechanismus entwickeln, um einige seiner Inhalte zu bewahren, werden wir andere diskriminieren und unsere eingenen Kriterien für die Bewahrung von Informationen anwenden."

Cythia Beth Rubin bezog sich auf das schon zur Sprache gebrachte "Potential des Internet, kulturelle Barrieren zu überwinden". In den frühen Tagen des Internet "hofften viele von uns, daß ein wichtiges Ergebnis ein fortschreitender kulturübergreifender Dialog sein würde". Aber "heute wird das Internet schnell zu einem Schauraum für etablierte künstlerische Praktiken und zur kommerziellen Welt des Marketing. Das ist enttäuschend für viele von uns." ... "Um den Raum für alternative Stimmen im Internet zu sichern, müssen wir aktiv für den Aufbau neuer Gemeinschaften von unabhängigen Künstlern, Theoretikern und Kuratoren arbeiten."

Klaus-Jürgen Schmidt von Radio Bridge Overseas brachte ein konkretes Beispiel für Networking über das Internet. "Es zeigt die Bemühungen, über das Netz denjenigen eine Stimme zu geben, die auf andere Weise keine Chance hätten, ihre Auffassungen mitzuteilen. Es verdeutlicht den Kampf der Aktivisten des Mikro-Radios in den USA für ihr Recht zu senden."

Peter Dennis stellte das Projekt Cape Town Museums Online vor, das im August 1998 gestartet wurde. Dabei sind "die Museen von Kapstadt unter einer Internet-Adresse vereint, und gleichzeitig pflegt jedes Museum seine eigene Site, erstellt eigene Inhalte, bestimmt das eigene Design und behält das Copyright". ... "Es gibt eine starke Ausrichtung auf die Bildung und die Darstellung unseres Erbes für ein möglichst großes nationales und internationales Publikum."

Olu Oguibe ging sehr eindringlich auf dieses Forum ein, deshalb sollen hier längere Passagen aus seinem Posting zitiert werden. Ausgehend von den praktischen Erfahrungen, über die Radio Bridge Overseas berichtete, schrieb er: "meine eigene Erwartung ist, daß dieses Forum Geschichten über praktische Erfolge im Kulturaustausch via Internet hervorbringt, neue Ideen für praktische Strategien und Projekte sowie auch theoretische Untersuchungen von Lektionen, die existierende Projekte und Beispiele geben, und daß die Möglichkeiten und Implikationen verschiedener Strategien, Ideen und Vorschläge diskutiert werden. ... Ein Forum wie dieses ist eine Gelegenheit, sich über solche Lektionen auszutauschen, aber auch Aspekte des Erfolgs oder der Unzulänglichkeiten kollektiv zu untersuchen, die den direkt Involvierten nicht klar sein mögen." ... "Es ist ziemlich enttäuschend für mich, daß dieses Forum noch nicht das Niveau der aktiven Teilnahme erreicht hat, das ... eigentlich zu erwarten wäre. Wenn man die Teilnehmerliste durchgeht, verblüfft es einen schon sehr, daß bei so vielen schon aktiv im Kulturaustausch via Internet engagierten Individuen und Gruppen nicht mehr Diskussion, mehr Austausch von Geschichten, Erfahrungen und Lektionen stattfindet." ... "Obwohl es wie ein Klischee klingen mag, glaube ich noch immer daran, daß einer der fundamentalen Erfolge des Internet in der Gelegenheit besteht, vielfältige Stimmen und Perspektiven über solche entscheidenden Angelegenheiten interaktiv und gemeinsam zustande zu bringen, statt uns auf die paar 'Experten' oder 'Autoritäten' zu verlassen, die die Gelegenheit oder Geduld haben, alles im nächsten, endgültigen Buch zum Thema niederzuschreiben, oder die über die Mittel und Zeit verfügen, an nur eingeschränkt zugänglichen Konferenzen teilzunehmen." ... "Ich glaube, wenn wir es nicht schaffen, unsere Stimmen zu erheben, werden wir uns eine Gelegenheit entgehen lassen, um uns gegenseitig weiter zu bereichern, in welchem kleinen Maße auch immer. ... Der Austausch von Geschichten, Ideen, Vorbehalten, Kritiken, Vorschlägen und Prophezeiungen in diesem Forum würde schon für sich ein fruchtbares und lehrreiches Beispiel für den Kulturaustausch via Internet sein. Wann sonst, wenn nicht jetzt?"

Francisco Córdoba, ein in Kostarika geborener und in Italien lebender Künstler, erzählte in seinem langen Posting gleich mehrere Geschichten. Zu den Erfahrungen und Frustrationen seines künstlerischen Engagements in Italien schrieb er u.a.: "Die meisten Länder erkennen die künstlerische Arbeit nicht als eine wirkliche berufliche Tätigkeit an. Um ihre Kunst ausüben zu können, müssen die meisten Künstler sich in anderen Berufen durchschlagen. Ich denke, wir können das auch über das Internet zur Sprache bringen und dafür kämpfen, diese Situation zu verändern, wenn wir daran glauben, daß sie verändert werden muß." Córdoba engagierte sich auch gegen das Apartheidsystem in Südafrika. Schon 1986 war er ein aktives Mitglied der Culture Section of the Italian National Committee Against Apartheid, die später in die "Roman Association for Friendship between Italy and South Africa" überging. Er zeigte sich bestürzt, daß er durch diese Einrichtung nie etwas über die Biennale von Johannesburg erfahren hat. Erst als er begann, sich ins Internet einzuschalten, ist er durch das Netzprojekt Universes in Universe darauf gestoßen. Trotz Internet ist die Kommunikation aber nicht im jedem Falle einfacher geworden. Begeistert hatte Córdoba eine Email an das South African Dept. of Culture geschickt - auf die Antwort wartet er noch heute. "Ich fürchte, der Aufbau einer demokratischen Kultur in der Welt wird viele Jahre dauern, genauso wie die Entstehung eines demokratischen Informationsaustauschs. Darf ich darum bitten, dafür GEMEINSAM weiterzuarbeiten?"

Estelita V. Llanita von den Philippinen war sehr gerührt von Córdobas Beitrag. Sie will ihn an ihrer Universität verbreiten und vielleicht sogar in einen Text einbauen, an dem sie gerade arbeitet.


Zusammenfassung: Gerhard Haupt

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Forum des Hauses der Kulturen der Welt, Berlin, zur Nutzung des Internet im Kulturaustausch mit und zwischen Afrika, Asien/Pazifik, Lateinamerika. 1998/1999

Projektleitung: Gerhard Haupt - haupt@uinic.de