Kulturaustausch via Internet - Chancen und Strategien
Netz-Forum des Hauses der Kulturen der Welt, Berlin

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Einblicke in die Diskussion (2):  26. Oktober bis 02. November 1998

Die Mitgliederzahl unserer Mailingliste wächst ständig, jetzt sind es 129. Nur die Debatte entwickelt sich noch zögerlich, obwohl schon sehr wichtige Themen und Probleme angesprochen worden sind. In der letzten Woche gab es 3 Beiträge:

Beral Madra, Kuratorin und Kritikerin aus Istanbul, ging direkt auf die zum Start des Forums gestellten Fragen ein. Auch dank des Internet sei Istanbul "mehr und mehr auf die Agenda der Intellektuellen aus aller Welt gerückt". Madra schreibt über die Interaktion der Kunstmetropole mit der internationalen Kunstszene und damit verbundene Probleme. "Zumindest haben die Intellektuellen der kuratierten Kulturen jetzt ein Medium, um die Sanktionen, die ihnen von den kuratorialen Kräften auferlegt werden, zu diskutieren und öffentlich zu machen." Sie denkt, die etablierten Wertesysteme unterliegen schon seit Jahren auch in den Kunstzentren einem stetigen Wandel, wozu das neue Medium beiträgt. "Internet gibt besonders jungen Künstlern und Kritikern die Chance, ihre ... Ideen, Projekte und Konzepte in den Ideenmarkt einzubringen, ohne daß sie durch Formalitäten und Konformismus gedemütigt werden."  "Ich habe sehr hart daran gearbeitet, mich und mein Kunstzentrum in der internationalen Kunstszene bekanntzumachen und die Vorurteile westlicher Institutionen auszuräumen. Dieser Prozeß beschleunigte sich, seit ich meine eigene Website hatte." Allerdings glaubt Madra nicht an praktische Konsequenzen des Internet hinsichtlich der Auflösung des Paradigmas "Zentrum - Peripherie". Nicht einmal die Printmedien hätten marktorientierte Positionen der Kuratoren verändert. Aber sie ist sich sicher, daß "in naher Zukunft Künstler und Kuratoren eine substantielle und ständige Verbindung über das Internet haben werden. Der Kurator wird in der Lage sein, den Schaffensprozeß des Künstlers zu begleiten, und der Künstler kann den Forschungen und Interpretationen des Kurators folgen. So können falsche Interpretationen vermieden werden, die leider so oft vorkommen. ... diese Interaktion wird das nützlichste kulturelle Netzwerk im Internet sein".

Direkt darauf ging Pat Binder ein. Sie fügte hinzu, daß das "Internet den Kuratoren wichtige zusätzliche Informationen zum Kontext liefern kann, in dem ein Werk geschaffen wurde". Binder brachte dazu 2 Beispiele aus Singapur, wo gesellschaftliche Einschränkungen und staatliche Vorgaben den Kunstprozess behindern. Sie schloß ihr posting, indem sie die Wichtigkeit der Bemerkungen von Olu Oguibe über die Verfügbarkeit von Informationen im Netz hervorhob und die Hoffnung auf eine weitere Diskussion äußerte.

Gerhard Haupt, Moderator des Forums, unterstrich ebenfalls, daß Oguibe's Ausführungen über die Server-Kontrolle grundlegende Aspekte unserer Arbeit mit dem Netz betreffen. Aber dabei "geht es nicht nur um bewußte Interventionen im Sinne von Zensur, sondern in noch viel größerem Maße um eine weit verbreitete Ignoranz von Institutionen gegenüber dem Einsatz des Netzes". Noch allzuoft wird darin nur ein temporäres Element der Öffentlichkeitsarbeit zu einem bestimmten Anlaß gesehen. Viele von denen, die die Macht hätten, die so euphorisch gepriesene virtuelle Bibliothek mit Inhalten zu füllen, sind sich ihres enorm wichtigen kulturellen Auftrags offenbar noch nicht bewußt. Haupt richtete an die ISEA-Vetreterinnen in der Mailingliste die Frage, welche Rolle dieses Thema in der Arbeit ihrer Organisation spielt. Alle Teilnehmer des Forums fragte er, wie "praktisch erreicht werden könnte, daß schnell größere Kreise informiert werden, wenn wichtige Websites aus dem Netz genommen werden sollen, und wie nach einem neuen Hosting dafür gesucht werden kann, bevor sie definitiv verlorengehen. ... Wäre es sinnvoll, ein Alarmnetzwerk für 'bedrohte Websites' einzurichten? Wie verhält es sich dabei mit dem Copyright der Institutionen, die diese Sites finanziert haben? Und welches Autorenrecht haben diejenigen, die die Inhalte und Gestaltungen erstellen, selbst wenn ihre Arbeit von einer Institution bezahlt wird?"


Zusammenfassung: Gerhard Haupt

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Forum des Hauses der Kulturen der Welt, Berlin, zur Nutzung des Internet im Kulturaustausch mit und zwischen Afrika, Asien/Pazifik, Lateinamerika. 1998/1999

Projektleitung: Gerhard Haupt - haupt@uinic.de