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Entfernte Nähe
Blaue Vernunft (Aql-e abi)
Shahrnush Parsipur
Eintritt: 4 , ermäßigt 2,50
Ermäßigung für Ausstellungsbesucher
02.05.2004
18:00
Tabu, Transformation, Wahrnehmung
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Entfernte Nähe
Mitte der achtziger Jahre betritt eine Frau eine Polizeistation. Unter ihrem Tschador trägt sie ein eng anliegendes, seitlich geschlitztes rotes Kleid. Der Offizier, der gerade Beethovens Symphonie lauscht, glaubt, es handele sich um eine Prostituierte. Sie beginnt, ihm die Geschichte ihrer Familie zu erzählen und tut dies während der folgenden fünf Nächte. Nach und nach verändert sie sich von einer normalen Frau zu einem Zauberwesen, einer Fee oder einer Hexe. Doch auch der Polizist verändert sich und gemeinsam tauchen sie in die Geschichte ein.

Die Beziehung zwischen dem Mann und der Frau spielt sich hauptsächlich in den Köpfen der beiden ab. Wie in anderen Werken Shahrnush Parsipurs auch geht es um Geschlechterrollen, die die Autorin mit Ironie verhandelt. Im Zentrum des Buches steht jedoch die Frau mit ihrer Fähigkeit, sich durch Vergangenheit und Zukunft zu bewegen.

Der Roman spielt vor dem Hintergrund der Islamischen Revolution in Iran und dem iranisch-irakischen Krieg. Er changiert zwischen gesellschaftlichen Bezügen und philosophisch-mystischen Reflexionen. Anspielungen auf persische und westliche Literatur und Philosophie sind ebenso enthalten wie groteske und surreale Elemente, etwa wenn durch den Roman hindurch ein Gorilla als Alter Ego des Polizeioffiziers präsent bleibt oder wenn Kafka und Beethoven auftauchen.

Anfang der 1990er Jahre sollte Shahrnush Parsipurs vierter Roman "Agl-e abi" (Blaue Vernunft) veröffentlicht werden, als die Autorin erneut verhaftet wurde. Die Drucklegung im Iran wurde auf unbestimmte Zeit verschoben, bzw. verboten. Das Buch erschien 1994 in den USA auf Persisch und später in einem iranischen Exilverlag in Schweden.

BIOGRAFIE:
Shahrnush Parsipur wird 1946 in eine bürgerliche Familie geboren. Sie arbeitete bereits während ihres Soziologiestudiums als Redakteurin für das staatliche iranische Fernsehen, bevor sie 1974 aus Protest gegen die Hinrichtung zweier Künstler ihren Posten niederlegt. Kurz darauf wird sie wegen ihrer öffentlichen Kritik am Schah-Regime verhaftet und für ein Jahr inhaftiert. Nach einem längeren Frankreichaufenthalt wird sie 1981 erneut verhaftet und bleibt ohne Angabe von Gründen für fast fünf Jahre im Gefängnis. 1994 entschließt sie sich angesichts jahrelanger Repressalien und der Aussichtslosigkeit, ihre Werke zu veröffentlichen, in die USA zu gehen, wo sie noch heute lebt und arbeitet. Parsipur beginnt bereits als Teenager zu schreiben, 1973 entsteht ihr erster Roman „The Dog and the Long Winter“, Ende der 70er Jahre die beiden erotisch gefärbten Werke „Women without Men“ und „The Simple and Small Adventure of the Spirit of the Tree“ und kurz darauf das auch auf Deutsch erschienene Werk „Tuba“ – alles Veröffentlichungen, die das Fundament von Sharnush Parsipurs Ruf als postmoderner, feministischer Autorin von Weltrang begründen.


BIBLIOGRAFIE (Auszug):
Bar Bale Bad Neshastan (Auf den Flügeln des Windes), Roman, 2002
Shiva, Roman, 1999
Majerahaye Sadeh va Kuchake Ruhe Derakht (Die kleinen, schlichten Abenteuer des Baumgeistes), Roman, 1999
Zanan-e bedun-e mardan (Frauen ohne Männer), Roman, 1990
Tuba va ma’na-ye shab (Tuba), Roman, 1989
Sag va zemestan-e boland (Der Hund und der lange Winter) Roman 1976

Link Artikel Neue Zuericher Zeitung